Predigt über Lk 2,1–20: Weihnachten

Liebe Gemeinde, endlich ist es Heilig Abend! Ihr Kinder könnt es sicher kaum noch erwarten, bis es Zeit für die Bescherung ist.

Jetzt geht es erst einmal um Gottes Geschenk an uns, um den Grund für das Weihnachtsfest. Hören wir die Weihnachtsgeschichte, wie sie im zweiten Kapitel des Lukasevangeliums steht:

Lk 2,1–14.15–20 Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.
Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger.
Und als sie dort waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.
Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens. (15–20) Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.
Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten.
Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

Weihnachten – eine Zeit der Anspannung

Liebe Gemeinde, diese so altmodisch klingenden Wort kennen wir alle. Jetzt ist Heilig Abend! Weihnachten naht! Endlich ist es soweit!

Und nun haben wir die Weihnachtsgeschichte im Anspiel gesehen, sind hier zusammen in dieser wunderschönen alten Kirche, die Kerzen leuchten warm und hell. Wenn es jetzt noch draußen zu schneien anfing, dann wäre das wohl das I-Tüpfelchen, nicht wahr?

Von der Idylle um Maria, Josef, Ochs und Esel im Stall haben wir gehört. Und, na klar, von Jesus in der Mitte, als Hauptperson, ebenso. Die Kinder haben das ja sehr schön vorgespielt. Jetzt, heut, ist also endlich Heilig Abend.

Wie ist das bei Ihnen: sind Sie in dieser Idylle eigentlich schon angekommen? Fühlen Sie Weihnachten schon in Ihrem Herzen?

Vielleicht sind Sie noch nicht da. Vielleicht denken Sie an die Hektik der letzten Tage, spüren das noch so richtig in allen Knochen. Ja, vielleicht denken Sie jetzt auch an alles, was noch kommen wird.

Weihnachten ist ein ganz schön anspruchsvolles Fest. Es gibt wenige Zeiten, die so regelmäßig jedes Jahr mit so hohen Erwartungen belegt sind.

Was ist Weihnachten denn für uns? Weihnachten ist …

  • eine Zeit der Familie, voller Harmonie und schönen gemeinsamen Stunden.
  • eine Zeit, in der irgendwie alle möglichst da sind, dazu auch aus der Ferne zusammenkommen.
  • eine Zeit, in der der Magen zu Hochform aufläuft und sich die Tische biegen.
  • eine Zeit, in der die guten Seelen in der Küche Wunder vollbringen.
  • eine Zeit, in der sich alle mit schönen Geschenken eine Freude machen.

So weit die Erwartungen. Dass das Ganze selbstverständlich idealerweise unter einer herrlich glitzernden Schicht Pulverschnees liegt, betone ich nicht nochmals.

Die Realität sieht vielleicht anders aus:

  • Vielleicht wussten Sie gar nicht, was Sie für andere als schönes Geschenk wählen sollten; geschweige denn, was Sie selbst sich sinnvoller Weise wünschen könnten.
  • Vielleicht geht Ihnen dieses bei Aldi, Netto, Lidl, und wie sie alle heißen, seit Ende August angebahnte Fest gewaltig auf die Makrone und die ganzen Weihnachtsfeiern in Betrieb und Verein genau so.
  • Vielleicht fürchten sie sich insgeheim schon vor all den Begegnungen mit Menschen, denen die man zu recht über’s Jahr nur in homöopathischer Dosis begegnet und hoffen, dass das Fernsehprogramm die kommende Zeit irgendwie retten wird.

Tja. Die Sache mit Weihnachten, das ist schon so etwas. Da sind sicherlich viele Befürchtungen und noch mehr Erwartungen an das, was dieses heute beginnende Fest alles zu leisten und zu bringen hat. Armes Weihnachten: eigentlich ist es so überfordert, dass es dabei nur verlieren kann.

Liebe Gemeinde, es wird Zeit, die Perspektive zu verändern!

Weihnachten – ein Grund zur Entspannung

Weihnachten kann, wenn wir es von Befürchtungen und all zu hochtrabenden Erwartungen befreien, wirklich das »Fest der Liebe« werden, eine gelingende, gute Zeit, auf die wir mit Freude zurückblicken, mit Wärme im Herzen denken.

Und nein, die Wärme, von der ich rede, rührt nicht von Likör oder Magenbitter her.

Weihnachten ist eine riesige Chance für uns, davon spreche ich, und die können wir mit dem richtigen Ansatz auch ergreifen.

Lassen Sie uns einmal schauen, wie das gelingen kann. Treten wir noch einmal einen Schritt zurück und schauen nochmals auf die Weihnachtsgeschichte.

Eigentlich ist das überhaupt keine idyllische Erzählung. Wir hören von einem jungen Ehepaar, die Frau hochschwanger, die wegen einer blöden Verwaltungsakts, einer Volkszählung, zu Fuß und auf einem Esel mehrere Tagesreisen weit von zu Hause weg mussten. Die Hebamme war selbstverständlich nicht dabei. Und dann finden Sie keine Unterkunft, sondern müssen sich in einen Stall retten.

Liebe Eltern: so über-natürlich können Sie nicht mal in Bensberg Ihre Kinder zur Welt bringen. Ade, o alle Idylle.

Doch halt: zu schnell dürfen wir nicht sein: auch im Winter liegen die Temperaturen dort in Bethlehem in einem angenehmen Bereich, »weiß« war dieser allererste Heilige Abend definitiv nicht, eher angenehm mild.

Das Entscheidende sind aber nicht die auch für Maria und Josef so wirklich arg spannenden Umstände, sondern das ist die Verheißung, unter der diese Geburt stand.

Gott sendet seinen Engel, Menschen hinzu zu holen. Ein heller Stern – chinesische Astronomen haben den in dieser Zeit auch gesehen und dokumentiert – erscheint am Himmel zum Zeichen, dass das dort zur Welt kommende Kind eine weiterreichende Bedeutung hat.

So bleibt letztlich die glückliche Geburt über, die Sterndeuter, die Hirten, die in andächtiger Ehrfurcht und Freude dabei sind und staunen.

Liebe Gemeinde, vielleicht liegt darin das Geheimnis für ein »schönes« Weihnachten, für einen gelingenden Heiligen Abend: dass wir uns dieses Staunen zueigen machen.

Wie das gehen kann? Vielleicht, indem wir uns bewusst machen, wie stressig diese Zeit für uns ist. Wieviel Unmut und Sorge uns dabei eigentlich schwer im Magen liegt. Aber dann auch das Wunder, um das es eigentlich geht, das der Grund dafür ist, das wir jedes Jahr Weihnachten feiern.

Wo wir darauf schauen, können wir einen ganzen Teil von Weihnachtsstress und Anspannung hinter uns lassen, uns entspannen.

Weihnachten – ein Grund für neues Leben

Eigentlich ist uns allen klar, dass Weihnachten nicht in den Geschenken, den Vorbereitungen, dem sich-Aufmachen und zu viel Essen und Naschwerk liegt. Das Eigentliche ist die Geburt Jesu Christi und die hat für uns eine Bedeutung:

Gott ist in diese Welt gekommen. Er will auch zu uns kommen, bei uns Wohnung nehmen. Wo wir ihn im Herzen tragen, da kann ein tieferer Frieden von uns Besitz ergreifen.

Darum geht es, das ist es, worum es Weihnachten geht. Heute, an Heilig Abend, bereiten wir uns darauf vor.

Wenn wir nachher zu Hause alle zusammenkommen, der Baum hell scheint und das Essen duftet, dann können wir uns bewusst machen, was der eigentliche Sinn und Zweck dieses Festes, dieses Zusammenkommens ist. Wo wir das im Herzen haben, da bin ich sicher, kann es ein schöner Heiligabend werden und, in diesem Sinne, wünsche ich Ihnen »Frohe Weihnachten!«

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, Amen.

Lied: eg 46 Stille Nacht, heilige Nacht