Predigt über Jeremia 23,5–8: Tür und Tor ins Land der Verheißung

Am 27.11.2022 in Wiedenest. Veröffentlicht 27.11.2022, Stand 01.01.2023, 1129 Wörter.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen!

Liebe Gemeinde, Seht, die gute Zeit ist da, fängt ein Adventslied an. Heute brennt die erste Kerze am Adventskranz, wird es wieder hell. Endlich ist Advent!

Im Alten Testament hören wir, dass Gott sein Licht in die Welt senden will. Hören wir den Predigttext, der im Buch des Propheten Jeremia in Kapitel 23 steht:

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will. Der soll ein König sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird. Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen. Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: »Der HERR ist unsere Gerechtigkeit«.
Darum siehe, es wird die Zeit kommen, spricht der HERR, dass man nicht mehr sagen wird: »So wahr der HERR lebt, der die Israeliten aus Ägyptenland geführt hat!«, sondern: »So wahr der HERR lebt, der die Nachkommen des Hauses Israel heraufgeführt und hergebracht hat aus dem Lande des Nordens und aus allen Landen, wohin er sie verstoßen hatte.« Und sie sollen in ihrem Lande wohnen.
— Jer 23,5–8 (Lutherbibel 2017)

Gott, wir danken Dir für Dein Wort. Sende Deinen Heiligen Geist, dass wir es fassen und zum unsrigen machen. Amen.

Liebe Gemeinde, »siehe, es kommt die Zeit« fängt Jeremia an und zitiert dabei Gott den HERRn als sein Prophet, als sein Sprachrohr. Er verheißt einen gerechten König, der Gottes Volk führen wird. »Der HERR ist unsere Gerechtigkeit« wird er heißen und ein Gegensatz zum früheren König Zedekia sein, der Israel in die Babylonische Gefangenschaft brachte.1 Dieser Nachfolger auf dem Thron wird vielleicht sogar Gott selbst sein.

In Jesus Christus glauben wir diesen König gekommen, den Jeremia Israel in der Zeit seiner Gefangenschaft in Babylon verheißen hat. Und Jeremia sprach auch zu den wenigen Menschen, die noch im Land waren und unter den Kriegsfolgen litten.

Gott ist da

Mitten in der Krise sagte er den Menschen Heil an. Es wird nicht so bleiben, ist seine Botschaft. Es wird besser werden, denn Gott ist da. Er schafft seinem Volk neue Wege »und sie sollen in ihrem Lande wohnen.« Die Not hat nicht das letzte Wort, sondern Gott. Und er führt zum Leben.

Advent ist die Zeit der Vorbereitung, dass Gott in Christus in die Welt kommt. Auch heute kommt Gott in unser Leben, jeden Tag aufs neue. Das gibt Hoffnung, Mut, Kraft; das lässt uns durchhalten und an dunklen Tagen Licht finden. Auch in unseren Sorgen kann er uns Halt geben.

Lassen Sie uns davon singen: eg 18 Seht, die gute Zeit ist nah:

  1. Seht, die gute Zeit ist nah,
Gott kommt auf die Erde, 
kommt und ist für alle da, 
kommt, daß Friede werde, 
kommt, daß Friede werde.
  2. Hirt und König, Groß und Klein, 
Kranke und Gesunde, 
Arme, Reiche lädt er ein, 
freut euch auf die Stunde, 
freut euch auf die Stunde.

Liebe Gemeinde, für Israel ist es damals gut ausgegangen. Die Babylonische Gefangenschaft endete und das Volk kehrte in seine Heimat zurück, baute wieder auf, schöner und prächtiger als zuvor.

Was Jeremia in Gottes Namen angesagt hatte, war Wirklichkeit geworden. Gott hatte Wort gehalten und ist in Jesus Christus als dieser verheißene König zu uns gekommen.

Vorfreuen auf dem Weg in Gottes Land

In diesem Glauben ist Advent deshalb weniger eine Zeit des Wartens, als vielmehr des Vorfreuens. Vorfreude ist etwas, das man kultivieren und wachsen lassen kann. Machen wir die Probe aufs Exempel: Wer von Ihnen hat einen Adventskalender? Winken Sie doch mal bitte!

Ich finde, der schönste Adventskalender ist immer noch der mit den kleinen Schokoladenstückchen und einer schönen Winterlandschaft mit Nikolaus vorne drauf. Wie auch immer: Hauptsache, solch ein Kalender lässt einen die Vorfreude erleben und macht die Zeit bis zum Heiligen Abend schön, jeden Tag ein kleines bisschen. Das ist wie eine Wegzehrung, denn das »Land«, das Gott verheißt, ist das des Glaubens, wo wir mit ihm leben. Weihnachten hat Gott Tür und Tor da hinein weit aufgemacht.

Lassen Sie uns davon singen: eg 1,1–3.5 Macht hoch die Tür

  1. Macht hoch die Tür, die Tor macht weit;
es kommt der Herr der Herrlichkeit,
ein König aller Königreich,
ein Heiland aller Welt zugleich,
der Heil und Leben mit sich bringt;
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
mein Schöpfer reich von Rat.
  2. Er ist gerecht, ein Helfer wert;
Sanftmütigkeit ist sein Gefährt,
sein Königskron ist Heiligkeit,
sein Zepter ist Barmherzigkeit;
all unsre Not zum End er bringt,
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
mein Heiland groß von Tat.
  3. O wohl dem Land, o wohl der Stadt,
so diesen König bei sich hat.
Wohl allen Herzen insgemein,
da dieser König ziehet ein.
Er ist die rechte Freudensonn,
bringt mit sich lauter Freud und Wonn.
Gelobet sei mein Gott,
mein Tröster früh und spat.
  4. Komm, o mein Heiland Jesu Christ,
meins Herzens Tür dir offen ist.
Ach zieh mit deiner Gnade ein;
dein Freundlichkeit auch uns erschein.
Dein Heilger Geist uns führ und leit
den Weg zur ewgen Seligkeit.
Dem Namen dein, o Herr,
sei ewig Preis und Ehr.

Tür und Tor öffnen

Santuario de Lluc

Santuario de Lluc, Mallorca, Foto: M. P.

Tür und Tor aufzumachen, ist dieser Tage nötig: Wir sind mehr Menschen in Deutschland geworden, mittlerweile über 83 Millionen, und aus der Ukraine sind Menschen zu uns geflüchtet. Ihnen Gastfreundschaft zu gewähren heißt, an der Seite aller derer zu sein, die sich für Frieden einsetzen. Der Hebräerbrief erinnert uns:

Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.
— Hebr 13,2, Lutherbibel 2017

Für die ersten Christen war Gastfreundschaft und die Unterstützung von Mitchristinnen und -christen selbstverständlich. Den zu uns Fliehenden soll es nicht wie Maria und Josef in Bethlehem gehen, sondern sie sollen in unserer Mitte Sicherheit finden, bis sie diese wieder in ihrer Heimat finden können. Das heißt, Tür und Tor aufzumachen: Fliehende nicht abzuweisen.

Weihnachten wird oft als Zeit des Friedens und der Liebe beschrieben. Unser Glaube kann uns helfen, dafür einzutreten und zusammenzuhalten.

Schluss

Jeremia verhieß Israel einen neuen, gerechten König und Frieden. Leben in Gerechtigkeit war für ihn ein »Leben im Land der Verheißung.«

Vielleicht gelingt es uns, den Advent mit Gottes Liebe warm und hell zu machen. Und vielleicht sind wir dann im Land der Verheißung, weil Gott uns nicht allein lässt, sondern uns Tür und Tor dorthin öffnet.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, Amen.


  1. Im Hebräischen ist dies ein Wortspiel mit den Namen: Zedekia (צִדְקִיָּהוּ), »Der HERR ist meine Gerechtigkeit«, wird »Der HERR ist unsere Gerechtigkeit« (יְהוָ֥ה צִדְקֵֽנוּ). Dies legt die Überlegung nahe: Dieser Nachfolger auf dem Thron wird vielleicht sogar Gott selbst sein. ↩︎

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