Predigt über Matthäus 1,18–25 – Zweifeln oder Glauben?

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen!

Liebe Gemeinde, wir sind fast da! Der Heilige Abend liegt hinter uns, ebenso wie die Bescherung und ein hoffentlich gutes Abendessen.

Für viele Menschen war’s das schon mit Weihnachten, ist alles gelaufen. An diesem Abend haben wir uns aufgemacht, damit Weihnachten bei uns werde.

Aber halt – wozu haben wir uns eigentlich in dieser Nacht aufgemacht? Warum sind wir hier?

»Was für eine blöde Frage – der sollte dankbar sein, dass überhaupt jemand gekommen ist«, mag jetzt der ein oder andere denken. Die Antwort scheint doch auf der Hand zu liegen: weil dieser Gottesdienst an der Schwelle zu Weihnachten liegt, es gleich wirklich Weihnachten wird. Und ganz sicher ist jetzt niemand hier, nur weil es heute Nachmittag keine freien Plätze mehr gab – falls doch: schön, dass Sie hier sind!

Das Thema dieser Predigt ist natürlich Weihnachten, die Ankunft Gottes in Jesus Christus in unserer Welt. Hören Sie deshalb den Predigttext, die Geburtsankündigung aus Matthäus eins:

Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut war, fand es sich, ehe sie zusammenkamen, dass sie schwanger war von dem Heiligen Geist. Josef aber, ihr Mann, der fromm und gerecht war und sie nicht in Schande bringen wollte, gedachte, sie heimlich zu verlassen.
Als er noch so dachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem Heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. Das ist aber alles geschehen, auf dass erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Jesaja 7,14): »*Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben*«, das heißt übersetzt: Gott mit uns. Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. Und er erkannte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar; und er gab ihm den Namen Jesus.
Mt 1,18–25

Liebe Gemeinde, gleich feiern wir das, was wir gerade gehört haben: dass Gott Mensch wurde. Deshalb können wir auch einmal schauen, was Weihnachten heute alles so sein kann …

Was Weihnachten heute angeblich ist

Einige Ideen dazu:

  • Weihnachten ist jedes Jahr am 25.12. und da geht man in die Kirche; das war schon immer so und gehört einfach dazu, weil es so stimmungsvoll ist.
  • Weihnachten ist das Fest der Liebe.
  • Weihnachten ist das Geschenkefest am Jahresende. Auch den Kindern sollte man vom Weihnachtsmann erzählen, weil das so eine heimelige Geschichte ist.
  • Weihnachten ist, das Gott zu uns Menschen gekommen ist, um den großen Graben zwischen Mensch und Gott zu überbrücken.

Ist das ein wenig überzeichnet? Vielleicht. Aber surfen Sie demnächst doch einmal ein wenig im Internet und suchen Sie nach den Begriffen »Weihnachten« zusammen mit den Suchworten »Kinder« oder »Familie«. Sie werden finden, dass Weihnachten heutzutage ein Fest ist, das mehrheitlich von seinen christlichen Wurzeln abgetrennt und zu einer Gefühlsduselei, zu einer romantischen Zeit, zu einem reinen »Fest der Liebe« gemacht wird. Der eigentliche Grund wird verschwiegen und Jesus Christus betont durch den Weihnachtsmann ersetzt, der bekanntlich am Nordpol oder in Finnland wohnt und die Geschenke bringt und so weiter.

Das ist es, was Weihnachten heute ist, denn Religion ist politisch unkorrekt und gehört verschwiegen – enjoy the season!

Weihnachten im Spannungsfeld zwischen Routine und Glauben

Da Sie heute hier sind, trage ich wohl gerade »Eulen nach Athen«. Dennoch: angesichts einer solchen Bedeutungsverschiebung stellt sich uns die Frage umso mehr: was ist Weihnachten eigentlich für uns? Warum sind wir hier, sprich: feiern dieses Fest mit einem Gottesdienst?

Jedes christliche Fest ist zugleich auch Anlass zu Prüfen, warum man es feiert. Weihnachten stellt uns auch, alle Jahre wieder, vor die Frage: glaube ich das eigentlich, dass Gott Mensch geworden ist? Denn das ist doch auch wahr: der Mensch ist ein Gewohnheitstier und wenn man – schauen Sie sich um und schätzen Sie den Altersdurchschnitt in dieser heiligen Nacht – wenn man so oft wie wir Weihnachten gefeiert hat, ist es irgendwann auch Routine. Sie wissen, was der Pastor neulich antwortete, als er nach dem Advent gefragt wurde? »Advent ist die Zeit, da hetze ich von Besinnung zu Besinnung.«

Routine führt irgendwann zu »Besinnungslosigkeit« – man macht die Dinge, weil man sie so macht. Der tiefere Sinn? Moment, da muss ich kurz nachdenken …

Wenn man nicht mehr darüber nachdenkt, dann wird aus dem Fest der Menschwerdung Gottes irgendwann das Fest am Jahresende, in dem man alljährlich die mehr oder minder selbe Routine abspult. Das ist dann wie Auto- oder Fahrradfahren: einmal gelernt, kann man es sein Leben lang und muss nicht mehr groß darüber nachdenken, wie man die Balance hält oder wo die Kupplung ist.

Weihnachten – ein Grund zum Nachfragen

Auch für Josef war das, was wir heute als Weihnachten feiern, anfänglich alles andere als einfach gewesen – oder auch nur klar. Warum er sich in dieser Nacht aufgemacht hatte, hatte einen ganz anderen Grund. Für Josef war erst einmal nicht Weihnachten gewesen. Schauen Sie einmal, wie das für Josef war:

Josef hatte nicht glauben können, dass Gott Mensch werden würde. Schon gar nicht mit seiner Verlobten, diesem jungen Mädchen aus der Provinz, die ihn, einen niemand, heiraten wollte. Josef wollte sich also »von Acker machen«, Reißaus nehmen, denn Maria – das war ihm auch ohne Biologieunterricht klar – war eine Ehebrecherin.

Fast wäre es nicht Weihnachten geworden. Hätte Josef das Weite gesucht, wäre alles vielleicht ganz anders gekommen. Gott hat ihm den Kopf gewaschen und gezeigt, dass Maria nicht die Ehe gebrochen hatte, dass das alles ganz anders war.

Weihnachten legt uns heute dieselbe Frage vor, die auch Josef damals hatte: wer ist es, der da geboren wird? Ist es ein gewöhnlicher Mensch, mit dem Maria auf die »klassische Art« schwanger wurde, oder ist es Gottes Sohn?

Wer ist er für Dich?

Weihnachten – Wurzel unseres Glaubens

Weihnachten ist die Wurzel unseres Glaubens. Ohne Weihnachten kein Jesus; ohne Jesus kein Christentum – und ohne Jesus Christus auch kein Weihnachtsfest. Wer er für uns ist, macht aus, was unser Glaube ist und bewirken kann.

Wenn Jesus nur ein gewöhnlicher Mensch war, so eine Art Promi von damals, dann wäre Christentum nur eine Farce.

Wenn wir Glauben haben, finden wir in ihm mehr, dann ist Jesus Christus der Sohn Gottes, der für uns ans Kreuz gegangen ist, uns den Weg zu Gott frei gemacht hat und der lebendig ist, im Heiligen Geist wirkt und uns zu seinen Jüngern macht.

Dann sind wir seine Glieder auf Erden, die etwas bewirken sollen und auch können, selbst mit unserer meist so kleinen Kraft.

Nach langer Dürre entschloss sich eine Gemeinde in einem südlichen Land, um Regen zu beten. Alle versammelten sich also am Sonntagvormittag auf einem Feld. Ein kleiner Junge kam als einziger mit einem Regenschirm dazu. Da fragen ihn die anderen: »Warum hast du denn einen Schirm dabei? Es ist doch strahlender Sonnenschein!« Darauf sagte der Junge: »Sind wir nicht hier, um Gott um Regen zu bitten?«

Diese kleine Geschichte illustriert, worum es im Glauben geht: mutig voranzugehen, auch wenn es oft wie ein Tappen in der Dunkelheit ist, wir Christus nicht sehen. Glauben heißt, Vertrauen auf Gott zu haben und dass er etwas ausrichten, etwas bewirken kann. Wo wir das leben, wird die Welt verändert, weil wir sie zu verändern beginnen.

Jesus Christus ist der Grund unseres Glaubens. Schon sein Name ist Programm: »Jesus« bedeutet auf Hebräisch der HERR rettet.

Weihnachten als Grund zur Nachfolge

Der Advent ist gleich vorüber und es wird Weihnachten. In dieser Predigt ging es darum, was das für uns bedeutet, wer Jesus Christus für uns ist, Sohn Gottes, unser Heiland, oder nur ein A-Promi der Antike, um den hier ein verstörender Personenkult betrieben wird.

Vielleicht kann der alte Simeon, ein Zeitgenosse Marias und Josefs, ein Vorbild für uns sein. In seinem Evangelium schreibt Lukas über ihn, wie er Jesus an dessen achten Lebenstag bei der Beschneidung im Tempel trifft:

Damals lebte in Jerusalem ein Mann namens Simeon; er war rechtschaffen, richtete sich nach Gottes Willen und wartete auf die Hilfe für Israel. Der Heilige Geist ruhte auf ihm, und durch den Heiligen Geist war ihm auch gezeigt worden, dass er nicht sterben werde, bevor er den vom Herrn gesandten Messias gesehen habe. Vom Geist geleitet, war er an jenem Tag in den Tempel gekommen. Als nun Jesu Eltern das Kind hereinbrachten, um mit ihm zu tun, was nach dem Gesetz üblich war, nahm Simeon das Kind in seine Arme, pries Gott und sagte:
»*Herr, nun kann dein Diener in Frieden sterben,
denn du hast deine Zusage erfüllt.
Mit eigenen Augen habe ich das Heil gesehen,
das du für alle Völker bereitet hast –
ein Licht, das die Nationen erleuchtet,
und der Ruhm deines Volkes Israel.*«
Jesu Vater und Mutter waren erstaunt, als sie Simeon so über ihr Kind reden hörten.
– Lk 2,25–33 (NGÜ)

Simeon hat Christus als den erkannt, der er ist. Nach all dem, was geschehen war, sind dessen Eltern dennoch erstaunt, denn die Tragweite, wer das Kind war, das ihnen da geboren war, hatten sie noch nicht begriffen. Und wie sollten sie auch.

Wir heute schauen vom anderen Ende her auf Christus. Wir kennen sein Leben, wissen, was er getan hat, wie und wozu er gestorben und wieder auferstanden ist – alles das ist den Eltern fern, die ein kleines, schutzbedürftiges Baby in Armen halten und gar nicht mehr sehen können.

Simeon war mit den Prophezeiungen über den, den Israel erwartet, vertraut und konnte Christus erkennen. Gottes Heiliger Geist hatte seiner Erkenntnis aufgeholfen, so dass er gewagt hat, zu glauben.

Auch wir können das tun, können einen wirklichen, lebendigen Glauben wagen, der mit Gott rechnet, wie der Junge in der Regengeschichte, und allen Sonntagsglauben, der doch nur Routine ist, fahren lassen.

Unseren Glauben stärken können wir durch das Gebet, durch Lesen in der Bibel, durch das Gespräch mit anderen Christen, den Gottesdienst und indem wir immer wieder Gelegenheiten nutzen, unser Handeln durch unseren Glauben zu leiten. Im Glauben müssen wir nicht gleich Hochleistungssportler sein – Babyschritte sind auch schon etwas.

Schenke Gottes guter Geist uns allen, an diesem Weihnachten auf’s Neue Christus zu erkennen als den, der er ist: Gott selbst, zu unserem Heil.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen in Christus Jesus, Amen.

Lied: eg 46 Stille Nacht, heilige Nacht