Predigt über Apostelgeschichte 10,1–48 – Petrus und Kornelius – ohne Wenn und Aber

Liebe Gemeinde, der heutige Predigttext aus Kapitel zehn war schon im letzten Jahr in der Ferienreihe ausgewählt, etwas kürzer und unter der Überschrift der damaligen Reihe, Ein Tagtraum mit Folgen – Predigt über Lukas 10,9-16.

Die heutige Predigt stellt unter der Überschrift »Petrus und Kornelius – ohne Wenn und Aber« in der Predigtreihe zum Thema Nachfolge keine Relecture dar, sondern ist etwas Neues, wenngleich es sicherlich Überschneidungen geben wird.

Kornelius und Petrus – zwei Fremde begegnen einander

Hören Sie den Predigttext jetzt einmal in Auszügen – ich habe ihn gekürzt und erzähle Ihnen die Teile, um die es letztes Jahr gegangen ist, ohne diese erneut auszulegen.

Apg 10 Die Vision des römischen Hauptmanns Kornelius in Cäsarea (NGÜ) In Cäsarea lebte ein römischer Offizier namens Kornelius, ein Hauptmann, der zum so genannten Italischen Regiment gehörte. Kornelius war ein frommer Mann, der mit allen, die in seinem Haus lebten, an den Gott Israels glaubte; er gab großzügige Spenden für die Bedürftigen in der jüdischen Bevölkerung und betete treu und regelmäßig. Eines Tages – gegen drei Uhr nachmittags – hatte Kornelius eine Vision: Klar und deutlich sah er, wie ein Engel Gottes zu ihm ins Zimmer trat. »Kornelius!«, hörte er ihn sagen. Erschrocken starrte Kornelius den Engel an. »Was ist, Herr?«, fragte er. Der Engel erwiderte: »Gott hat deine Gebete gehört und hat gesehen, wie viel Gutes du den Armen tust. Darum schicke jetzt einige Männer nach Joppe zu einem gewissen Simon mit dem Beinamen Petrus und bitte ihn, zu dir zu kommen. Er ist bei einem Gerber zu Gast, der ebenfalls Simon heißt und dessen Haus direkt am Meer liegt.« Als der Engel wieder gegangen war, rief Kornelius zwei seiner Diener sowie einen gläubigen Soldaten aus seinem persönlichen Gefolge zu sich. Er berichtete ihnen alles, was er soeben erlebt hatte, und schickte sie dann nach Joppe. […]

In Joppe hatte Petrus währenddessen mittags Pause gemacht und dabei eine Vision gehabt: ein Tuch voller unreiner, rituell verbotener Tiere war darauf gewesen und Gott hatte ihn aufgefordert, diese zu schlachten und zu essen. Drei Mal hatte sich dies wiederholt, denn zuerst hatte Petrus geantwortet: Was im Alten Testament als verboten gelistet ist, darf ein frommer Jude nicht essen!

Petrus verstand diese Vision erst einmal nicht, und während er nachgrübelte, kamen die Boten von Kornelius zu Petrus und baten ihn, mit nach Cäsarea zu kommen. Lukas berichtet, dass der Heilige Geist Petrus eingab, mit ihnen zu gehen, doch erst einmal lud er die Boten ein, bei sich zu übernachten. Hier fährt der Predigttext fort:

Petrus bei Kornelius Gleich am nächsten Morgen machte sich Petrus mit ihnen auf den Weg, begleitet von einigen Brüdern aus Joppe. Am darauf folgenden Tag kamen sie in Cäsarea an. Kornelius, der seine Verwandten und seine engsten Freunde zu sich eingeladen hatte, erwartete sie bereits. Als Petrus durch das Hoftor trat, kam Kornelius ihm entgegen und warf sich ehrfurchtsvoll vor ihm nieder. Doch Petrus zog ihn wieder hoch. »Steh auf!«, sagte er. »Ich bin auch nur ein Mensch.« Und während er sich mit Kornelius unterhielt, betrat er das Haus. Überrascht sah er die vielen Leute, die sich dort zusammengefunden hatten. »Ihr wisst sicher«, sagte er zu ihnen, »dass es einem Juden nicht erlaubt ist, engeren Kontakt mit jemand zu haben, der zu einem anderen Volk gehört, oder ihn gar in seinem Haus zu besuchen. Aber Gott hat mir unmissverständlich klar gemacht, dass man keinen Menschen als unheilig oder unrein bezeichnen darf, nur weil er kein Jude ist. Daher habe ich auch keine Einwände gemacht, als man mich einlud, hierher zu kommen. Und nun lasst mich wissen, aus welchem Grund ihr mich geholt habt!« Kornelius erwiderte: »Vor drei Tagen hatte ich mich zur gleichen Zeit wie jetzt, nachmittags gegen drei Uhr, hier in meinem Haus zum Gebet zurückgezogen, als plötzlich ein Mann in einem leuchtend weißen Gewand vor mir stand. ›Kornelius!‹, sagte er. ›Gott hat dein Beten erhört, und er weiß sehr wohl, wie viel Gutes du den Armen tust. Schicke daher Boten nach Joppe zu einem Simon mit dem Beinamen Petrus und lade ihn zu dir ein; er ist bei dem Gerber Simon zu Gast, dessen Haus direkt am Meer liegt.‹ Daraufhin schickte ich sofort einige Leute zu dir, und du bist so freundlich gewesen, zu uns zu kommen. Nun sind wir alle hier in Gottes Gegenwart versammelt, um zu hören, was du uns im Auftrag des Herrn zu sagen hast.«

Petrus und Kornelius – zwei Männer, wie sie unterschiedlicher nicht hätten sein können

Petrus und Kornelius sind zwei Männer, wie sie unterschiedlicher nicht hätten sein können.

Petrus, auf der einen Seite, ist als Jude ein Mann, der aus einfachen Verhältnissen stammte. Als Fischer hatte er gearbeitet und seine Bildung dürfte sich auf die praktischen Handgriffe seines Berufs beschränkt haben, den er wohl von Kindheit an erlernt hatte.

Christus hatte sein Leben radikal verändert, hatte aus dem einfachen Fischer den ersten Jünger gemacht, den, auf den er seine Kirche bauen wollte. (Mt 16,18)

Petrus lebte fest in dem Glauben, dass die Gute Nachricht von Jesus Christus allein Israel, dem jüdischen Volk, gelte. Hier, im Predigttext, hat Petrus eine Schwelle überwunden, die für ihn gewaltig gewesen sein muss.

Kein Jude gab sich mit den Heiden ab. Gemeinschaft pflegte man nur so weit, wie dies unvermeidlich war. Einen Heiden in seinem Haus zu besuchen war hingegen etwas, gegen das jeder fromme Jude starke Vorbehalte hatte.

Interessant, dass Petrus dies hier tut – er durchbricht damit die Schranke der gesellschaftlichen Konventionen und dessen, was man von einem Menschen seiner Prägung erwarten konnte!

Kornelius hingegen, der römische Offizier, wird ein anderes »Kaliber« gewesen sein. Des Lesens und Schreibens wird er mächtig gewesen sein und die Erwähnung, dass er ein Hauswesen hatte und große Spenden gab, zeigt, dass er in guten wirtschaftlichen Verhältnissen lebte.

Er hatte sich mit dem Gott Israels vertraut gemacht und lebte nach den jüdischen Gesetzen, so weit dies möglich war. Er schickte nun Boten zu Petrus, der im knapp fünfzig Kilometer entfernten Joppe, dem heutigen Tel-Aviv, eine Tagesreise weit entfernt war.

Wie unwahrscheinlich ist es doch, dass diese so völlig verschiedenen Männer einander begegnen sollten! Was sie trennte, waren doch

  • dass sie aus grundverschiedenen Kulturen stammten,
  • durch deren Schranken auch im Umgang getrennt waren und
  • obendrein so weit voneinander entfernt lebten

Doch genau sie begegneten einander.

Mehr noch: diese so grundverschiedenen Männer würden eine Brücke schlagen, würden Undenkbares überwinden. Der Predigttext beschreibt es:

Das Evangelium wird zum ersten Mal vor Nichtjuden verkündet »Wahrhaftig«, begann Petrus, »jetzt wird mir erst richtig klar, dass Gott keine Unterschiede zwischen den Menschen macht! Er fragt nicht danach, zu welchem Volk jemand gehört, sondern nimmt jeden an, der Ehrfurcht vor ihm hat und tut, was gut und richtig ist. Was ich euch bringe, ist die Botschaft, die Gott bereits den Israeliten verkünden ließ; es ist das Evangelium vom Frieden durch den, der über alle Menschen Herr ist, Jesus Christus. Ihr habt sicher von dem erfahren, was sich im ganzen jüdischen Land zugetragen hat. Angefangen hatte es in Galiläa, nachdem Johannes zur Taufe aufgerufen hatte: Jesus von Nazaret wurde von Gott mit dem Heiligen Geist gesalbt und mit Kraft erfüllt und zog dann im ganzen Land umher, tat Gutes und heilte alle, die der Teufel in seiner Gewalt hatte; denn Gott war mit ihm. Wir Apostel sind Zeugen von all dem, was er im jüdischen Land und in Jerusalem getan hat. Und dann hat man ihn getötet, indem man ihn ans Kreuz hängte. Doch drei Tage danach hat Gott ihn von den Toten auferweckt, und in Gottes Auftrag hat er sich als der Auferstandene gezeigt – allerdings nicht dem ganzen Volk, sondern nur denen, die Gott schon im Voraus zu Zeugen bestimmt hatte, nämlich uns Aposteln. Mit uns hat er, nachdem er von den Toten auferstanden war, sogar gegessen und getrunken. Und er gab uns den Auftrag, dem ganzen Volk mit allem Nachdruck zu verkünden und zu bezeugen, dass er der von Gott eingesetzte Richter ist, der über die Lebenden und über die Toten das Urteil sprechen wird. Schon die Propheten haben von ihm geredet. Durch ihn, so bezeugen sie alle übereinstimmend, bekommt jeder die Vergebung seiner Sünden – jeder, der an ihn glaubt.«

Petrus hat etwas Wichtiges verstanden, nämlich die Botschaft, die Gott ihm mit der Vision von den verbotenen Tieren gesandt hatte. Auch die Nichtjuden sind Gottes Kinder, kommen durch Jesus Christus zu Israel als auserwählten Volk hinzu. Wo Petrus in der Vergangenheit noch zwischen Juden und Nichtjuden unterschieden hatte, wurde ihm nun klar: alle sind gleichermaßen Ziel der Verkündigung der Guten Nachricht, und alle, die zu Christus gehören, gehören zu Gott. Alle alten Unterscheidungen sind »Schnee von gestern«, gelten nicht mehr.

Im Fortgang des Predigttextes wird dies deutlich:

Auch Nichtjuden erhalten den Heiligen Geist Während Petrus noch über diese Dinge sprach, kam der Heilige Geist auf alle herab, die seine Botschaft hörten. Die Gläubigen jüdischer Herkunft, die Petrus nach Cäsarea begleitet hatten, waren außer sich vor Verwunderung, dass die Gabe Gottes, der Heilige Geist, auch über Nichtjuden ausgegossen wurde. Sie hörten nämlich, wie die Versammelten in geistgewirkten Sprachen redeten und Gott für seine Größe priesen. Schließlich wandte sich Petrus an seine Begleiter und sagte: »Wer hätte jetzt noch das Recht, diesen Leuten die Taufe zu verweigern – jetzt, wo sie genau wie wir den Heiligen Geist empfangen haben?« Und er ordnete an, sie im Namen von Jesus Christus zu taufen. Danach blieb er auf ihre Bitte hin noch einige Tage bei ihnen.

Gottes Geist überwindet alle Schranken

Zwei Fremde begegnen einander – das ist es, was der Predigttext auf den ersten Blick erzählt. Dass es viel mehr ist, zeigt sich leicht, wenn wir noch einmal auf die Beiden schauen, die sich da begegnen:

  • Dass Petrus als frommer Jude mit dem Heiden Kornelius kaum Umgang hätte pflegen dürfen, schon gar nicht längere Zeit als Gast in seinem Hause sein, womöglich noch mit ihm zu essen.
  • Dass Kornelius als römischer Offizier, als Teil der Besatzungsmacht, sicher kaum Umgang mit einem dahergelaufenen Fischer gehabt hätte, der seit Jahren durch die Landschaft zog und in Verbindung zu einem von Rom hingerichteten Aufrührer stand.

Der Predigttext erzählt, dass Gott die verbindende Klammer ist, die aus diesen beiden Männer, die durch Werte, Vorstellungen, Prägungen und so weiter getrennt waren, eine Möglichkeit macht.

Gott ist es, der die Unterschiede überwindbar und aus Fremden Freunde macht.

Und wir?

Gott hat Petrus und Kornelius in Bewegung gesetzt. Sie haben beide etwas Neues gewonnen:

  • Petrus hat die Erkenntnis gewonnen, dass die alten jüdischen Reinheitsvorschriften für Christen nicht gelten, dass vielmehr auch die »unreinen« Heiden Ziel der Verkündigung der guten Nachricht sind.
  • Kornelius hat durch seine Taufe zu Christus gefunden.

Was heißt das eigentlich? Zu Gott zu gehören heißt, in einer Gemeinschaft zu stehen, heute einer weltweiten, in der Unterschiede durch ein gemeinsames Fundament irrelevant werden.

Die Lage der Christen in Ägypten ist damit zum Beispiel etwas, dass uns ganz unmittelbar angeht.

Am Predigttext können wir noch mehr entdecken. Petrus und Kornelius haben sich beide aufgemacht, Grenzen zu überwinden. Beide haben sich in Bewegung gesetzt, sind Schritte in etwas Neues gegangen.

Erinnern Sie sich noch an die Lesung? (2. Mo/Ex 13,17f.20–22) Dort ging es um das Volk Israel, dass sich beim Exodus in Bewegung in etwas Neues gesetzt hatte. Gott hat auch ihnen geholfen, zeigte ihnen als Wolken- und Feuersäule den Weg.

Unsere Wolken- und Feuersäule sind heute die Bibel, das Gebet und die Gemeinschaft. Hier können wir erfahren, wie Gott in unserem Leben handelt. Uns in Bewegung setzt.

Gott ist der, er geht mit – das zeigt sich in der Geschichte Israels; das zeigt sich auch in der Geschichte, die Petrus und Kornelius erlebten. Wie sie will er auch uns in Bewegung setzen, immer wieder.

Mit seiner Hilfe könne auch wir immer wieder aufbrechen:

  • Aufbrechen in das Neue, das vor uns liegt und von dem wir noch gar nicht wissen, wie es werden wird.
  • Aufbrechen in neue Vorstellungen, zu denen uns alte Ideen, Meinungen und Konventionen gar nicht haben kommen lassen.
  • Aufbrechen zu Menschen, zu denen wir bisher nicht gegangen sind.

Liebe Gemeinde: Gott geht mit, er setzt in Bewegung und er verbindet, was getrennt ist. Zu diesem Gott gehören wir durch die Taufe und so können auch wir uns immer wieder aufmachen, neue Wege beschreiten in Gedanken, Träumen und im Alltag.

An Petrus und Kornelius sehen wir, wozu es führen kann, wenn man es wagt. Diesen Mut schenke uns Gott!

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, Amen.

Lied: eg 394 Nun aufwärts froh den Blick gewandt