Predigt über Nehemia 4,1–3.5–15

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott und unserem Herrn Jesus Christus!

Liebe Schützen, liebe Anwesende! Schön, dass wir heute als Christinnen und Christen aus verschiedenen Gemeinden und Konfessionen miteinander Gottesdienst feiern. Das Bundesschützenfest ist dazu ein besonderer Anlass, weil hier auch Menschen aus verschiedenen Vereinen zusammenkommen, um in sportlichem Wettbewerb die Besten zu finden und zu küren.

Meine Aufgabe ist es, Ihnen in diesem Gottesdienst die Predigt zu halten. Eine Predigt hat ja immer Gottes in der Bibel offenbartes Wort als Grundlage und dass die Bibel ein paar Jährchen vor der Erfindung des Schwarzpulvers geschrieben wurde, wissen wir alle. Was also als Predigttext nehmen, der sich doch für den heutigen Tag eignet?

Glücklicherweise fiel mir ein alttestamentlicher Text aus dem Buch Nehemia ein, der Bezüge zum heutigen Bundesschützenfest bietet. Der Predigttext erzählt, wie das Volk Israel begann, aus der Babylonischen Gefangenschaft zurückzukehren und den Tempel und die Stadt Jerusalem neu aufzubauen. Das passte den Leuten, die die Macht im Land an sich genommen hatten, nicht …

Nehemia 4,1–3.5–15 (Gute Nachricht Bibel) Als Sanballat und Tobija, die Araber, die Ammoniter und die Leute von Aschdod erfuhren, dass der Wiederaufbau der Mauer Jerusalems voranging und sich ihre Lücken zu schließen begannen, gerieten sie in Wut. Sie verschworen sich und beschlossen, bewaffnet gegen Jerusalem zu ziehen und dort Verwirrung anzurichten. aber beteten zu unserem Gott und stellten Tag und Nacht zum Schutz gegen sie Wachen auf. […]
Unsere Feinde dachten: »Ehe die Judäer etwas ahnen, sind wir schon mitten unter ihnen, schlagen sie zusammen und bereiten ihrem Machwerk ein Ende.« Doch es kam ganz anders. Denn die Juden, die in ihrer Nähe wohnten, hielten uns auf dem Laufenden über das, was unsere Feinde gegen uns vorhatten.  Darum rief ich alle wehrfähigen Männer zu den Waffen. Ich stellte sie unterhalb des Tempelplatzes hinter den eingestürzten Partien der Mauer auf, geordnet nach Familienverbänden, bewaffnet mit Schwertern, Speeren und Bogen. In dieser gefährlichen Lage trat ich vor sie hin und sagte zu den Männern aus den ersten Familien und den Ratsherren und zum ganzen Volk: »Habt keine Angst! Erinnert euch daran, wie groß und mächtig der Herr ist! Kämpft für eure Brüder, für eure Söhne und Töchter, für eure Frauen und für euren Besitz!«
Unsere Feinde erfuhren, dass wir gewarnt waren. Ihr Plan war gescheitert, Gott hatte ihn vereitelt. Wir aber gingen alle zur Mauer zurück, jeder an seine Arbeit.
Von dem Tag an arbeitete nur noch die Hälfte meiner Leute beim Mauerbau mit, während die andere Hälfte Wache stand, ausgerüstet mit Speeren, Schilden, Bogen und Rüstungen. Die führenden Männer standen hinter den Leuten von Juda, die am Mauerbau arbeiteten. Die Träger trugen mit der einen Hand die Last, in der andern hielten sie eine Waffe. Alle Bauleute hatten während der Arbeit das Schwert umgeschnallt. Ich selbst hatte den Mann mit dem Signalhorn immer bei mir. Zu den Männern aus den ersten Familien und den Ratsherren und den Bauleuten aus dem Volk sagte ich: »Die Baustelle ist weitläufig. Wir müssen uns über die ganze Mauer verteilen und sind dadurch weit voneinander entfernt. Wenn ihr von irgendeiner Stelle her das Widderhorn blasen hört, kommt ihr sofort zu mir dorthin. Unser Gott wird für uns kämpfen!« So arbeiteten wir alle vom ersten Morgenrot an, bis die Sterne sichtbar wurden; aber die Hälfte meiner Leute hatte ständig den Speer in der Hand und hielt Wache.

Nehemia ist in einer schwierigen Lage, denn gegen die Anfeindungen der umliegenden Völker muss er den Wiederaufbau durchführen. Zwei Dinge sind dazu notwendig:

1. Das Schwert: Dieser Wiederaufbau muss verteidigt werden. «Alle Bauleute hatten während der Arbeit das Schwert umgeschnallt» (V. 12a). Damit sind wir bei Ihnen, den Schützen.

Als ich das Wort Schütze im Duden nachschlug, fand ich heraus: Schützen haben von der Wortbedeutung her eigentlich nichts mit Schießen zu tun. Ihr Name leitet sich vom Wort «beschützen» her. In Mittelalter und Neuzeit waren die Schützen dazu da, die Stadt zu beschützen.

Genau davon hören wie im Predigttext. Die Hälfte der Leute hielt Wache und beschützte die anderen. (V. 15b). Dazu diente das Schwert.

Das ist das eine, was für den Wiederaufbau notwendig war. Das andere, das die Bauleute trugen, war

2. die Maurerkelle; also Truffel. Jetzt mag sich die ein oder der andere Fragen: Wo bitte kommt in unserem Schützenverein denn eine Truffel vor?

Vielleicht hat jemand in der letzten Zeit eine benutzt. Wo zum Beispiel gemauert wird, braucht man eine Truffel. Die Truffel können wir aber nicht nur als Baugerät verstehen, sondern auch als ein Symbol für alles, was wir aufbauen.

Ich denke, dass in den Schützenvereinen eine Menge aufgebaut wird, unter vielen Mühen und Hand anlegen. Zuerst einmal geht es um Gemeinschaft und die muss auch aufgebaut und bewahrt werden. Wo Menschen zusammen etwas unternehmen, gibt es auch so manchen Reibungsverlust. Da ist eine geschickte Hand gefragt, Risse wieder zu kitten, so dass die Gemeinschaft gewahrt wird.

Die Vorstände üben dazu eine wichtige Funktion aus, alle so miteinander vereint zu halten, dass ein konstruktives Miteinander möglich ist.

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass im 19. Jahrhundert die Schützenvereine an der Entwicklung demokratischer Strukturen mitgewirkt haben. Die gesellschaftliche Bedeutung der Schützenvereine heute liegt auf der Hand.

Die Schützenvereine sind, gerade in so ländlichen Strukturen wie bei uns im Oberbergischen, aus dem Dorfleben nicht wegzudenken, auch wenn Individualismus und Vereinzelung in der Gesellschaft zunehmen und die Vereinsentwicklung oft nicht einfach machen. Dennoch, gerade deshalb: In den Vereinen kann man einander begegnen, etwas miteinander unternehmen und sich austauschen. Das stärkt die Gemeinschaft und bewahrt den Frieden. Es sind Räume für Begegnung, die so geschaffen werden.

Damit nehmen die Schützenvereine auch heute noch eine wichtige Funktion in unserer Gesellschaft wahr, helfen so, den Frieden schon im Kleinen zu schützen und zu bewahren. »Schwert« und Truffel« – beides hat in den Schützenvereinen symbolisch verstanden eine Heimat.

Hier im Gottesdienst geht es noch um mehr als die Gemeinschaft, die in den Schützenvereinen aufgebaut und bewahrt wird. Gerade in Krisenzeiten, das kennen wir alle, erleben wir die Grenzen, die bei aller Gemeinschaft möglich sind. Es gibt Situationen, in denen kein Mensch mehr weiterhelfen kann und dann ist es gut, Gott zu kennen und ihm zu vertrauen.

Wer ist denn dieser Gott? Er ist es, von dem wir im Predigttext als Grundlage, als Fundament, der Gemeinschaft der Bauleute hören. Er ist es, an dem die streitbaren Bauleute sich und ihre Existenz festgemacht haben. Er ist es, bei dem sie die Kraft finden, gemeinsam an etwas zu bauen.

In diesem Gottesdienst zum Bundesschützenfest 2011 sind Sie nicht nur als Schützinnen und Schützen, sondern auch als Glieder unserer Gemeinden zusammengekommen. Auch für uns gilt: Gott ist es, an dem wir uns festmachen können und er ist es, bei dem wir immer wieder Kraft finden können: für uns je ganz persönlich. Als Schützinnen und Schützen können Sie in Gottes Segen das finden, was es braucht, die Gemeinschaft in den Vereinen zu pflegen.

Gottes Segen, das ist – um im Bild zu bleiben – vielleicht so etwas wie der Speis, den man mit der Truffel auf die Steine bringt: das, was verbindet, Halt und Stabilität gibt, sodass die Gemeinschaft immer weiter wächst.

Liebe Schützen: ich wünsche Ihnen, dass Sie Gottes Segen in Ihrem Leben, aber auch als Vereinsmitglieder immer wieder erfahren: als Kraft, Krisen durchzustehen, und als das gemeinsame Fundament, das eine gute Gemeinschaft möglich macht.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.