Kurzpredigt über Joh 6,35 und Offb 3,20 zur Konfirmation am 26.04.2009

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Eltern und Paten, liebe Gemeinde!

Heute ist es soweit: Die vierzehn Monate der Konfirmandenzeit gehen zu Ende. In dieser Zeit haben wir uns an den Dienstagen eine Stunde lang damit beschäftigt, was es eigentlich heißt, evangelisch zu sein, wozu Taufe und Abendmahl da sind, wozu die Gemeinde da ist und was in ihr alles geschieht.

Bei Eurer Taufe haben Eure Eltern, die Patinnen und Paten an Eurer Stelle »Ja« zu Eurer Taufe gesagt. Bisher haben Sie für Euch die Entscheidungen in religiösen Fragen getroffen. Mit Eurer Konfirmation endet diese Aufgabe, erlischt dieses Amt. Konfirmiert zu sein heißt, grundsätzlich Bescheid im christlichen Glauben zu wissen und selbst in Glaubensfragen mündig zu entscheiden.

In Folge seid Ihr berechtigt, selbständig am Heiligen Abendmahl teilzunehmen, könnt selbst Taufpatin oder Taufpate werden und seid bei Presbyteriumswahlen wahlberechtigt.

Nachher werdet Ihr mit Eurem Konfirmationsversprechen ein eigenes »Ja« zu Eurer Taufe und zur Nachfolge Jesu Christi sprechen. Auf der Freizeit vor den Osterferien haben wir vertieft, was dies bedeutet. Es heißt, nicht nur von Jesus Christus gehört zu haben, sondern ihn im Leben wichtig sein zu lassen.

Viele Menschen praktizieren das heute so, dass sie Gott in bestimmten Situationen Raum im Leben geben, aber eben nur zu manchen Zeiten. Wenn man Sorgen hat, zum Beispiel. Oder wenn etwas Schlimmes passiert ist. Dann kommt Gott vor. »Bei Gefahr Scheibe einschlagen und Knopf tief drücken« – dieser Anleitungstext vom Feuermelder kommt dem vielleicht nahe.

Gott sollte in Eurem Leben mehr Raum als ein Feuermelder haben und Euch nicht nur dann wichtig sein, wenn Ihr in Schwierigkeiten geratet. Die Welt ist voller Menschen, die so handeln und ganz enttäuscht sind, dass Gott ihre Probleme nicht für sie löst.

Wo Ihr an allen Tagen mit Gott lebt, werdet Ihr erleben, dass eine lebendige Beziehung entsteht, dass Gott mit Euch geht und Euch auch auf den »Durststrecken« des Lebens Kraft und Mut gibt, auch in Schwierigkeiten zu bestehen. Ein Schutzbrief vor Problemen und Sorgen ist er nicht – aber ein Helfer, darin nicht unterzugehen.

Jesus Christus drückt das selbst so aus – er sagt:

»Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.« (Johannes 6,35)

Hunger nach Leben – das kann Verschiedenes sein; das wird jede und jeder anders füllen. Ein Gemeinsames ist wohl der Wunsch, nicht allein durch Leben zu gehen. Das Bild vom Brot nimmt Jesus als Beispiel für etwas ganz Elementares: Brot ist das Grundnahrungsmittel schlechthin.

Jesus als Brot des Lebens – das heißt: er ist das ganz Grundlegende für unser Leben. Wo wir uns an ihm festmachen, werden wir Erfüllung finden.

Wie war das noch einmal: Wir selbst müssen von diesem Brot essen, es nützt nichts, wenn wir jemanden kennen, der das für uns tut. Oder, mit einer Geschichte ausgedrückt:

Ein portugiesischer Seifenfabrikant sagte zu einem Priester: »Das Christentum hat nichts erreicht. Obwohl es schon bald zweitausend Jahre gepredigt wird, ist die Welt noch nicht anders geworden. Es gibt immer noch Böses und böse Menschen.«
Der Priester wies auf ein ungewöhnlich schmutziges Kind, das am Straßenrand im Dreck spielte, und bemerkte: »Seife hat nichts erreicht. Es gibt immer noch Schmutz und schmutzige Menschen in der Welt.« »Seife«, entgegnete der Fabrikant, »nutzt nur, wenn sie angewendet wird.« Der Priester antwortete: »So ist es mit dem christlichen Glauben auch!« (Gisbert Kranz)

Konfirmiert sein heißt, ein eigenes Ja zur Taufe auf Jesus Christus zu bekennen. Doch alles Konfirmiert sein nutzt nichts, wenn man es dabei belässt. Das ist dann so, als ob man einen Führerschein machte, das groß feierte und dann den Rest des Lebens zu Fuß liefe.

Jesus Christus als Brot, als das für unser Leben ganz Grundlegende – das ist etwas, das nur dann funktioniert, wenn wir in eine Beziehung mit ihm treten. Im Brotkasten nutzt das Brot nichts; man muss davon essen, um satt zu werden.

Diese Brotmetapher setzt sich fort. Nachher, wenn wir das Abendmahl feiern, können wir Jesus Christus in unserer Mitte wissen. Brot und Wein stehen als Bild dafür, dass wir in Jesus Christus alles bekommen, was für gelingendes Leben notwendig ist. Und wir können davon abgeben, können es anderen weiterreichen.

Das Abendmahl ist wie ein Wegzeichen dafür, dass Gott mit uns durchs Leben geht. Zugleich erinnern wir uns in der Feier des Abendmahls daran, dass Gott uns immer wieder einen neuen Anfang schenkt, dass wir unsere Lasten an ihm abgeben können, dass wir so neu in den Alltag starten können.

Jesus Christus sagt dazu:

»Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.« (Offenbarung 3,20)

Das Abendmahl macht deutlich, dass Gott es ist, der immer wieder einen Schritt auf uns zu macht. Dass er uns nachgeht, dass er anklopft. Fakt ist: im Alltag laufen wir immer wieder Gefahr, Gott aus den Augen zu verlieren. Wie heißt es so schön: Aus den Augen, aus dem Sinn.

Das Abendmahl ist ein Zeichen, dass Gott für uns da ist. Wenn wir es nachher feiern, ist das eine Chance, unser eigenes Verhältnis zu Gott noch einmal in Blick zu nehmen. Denn das ist ja das Entscheidende des Verses, den wir gerade gehört haben: »Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, werde ich eintreten und das Abendmahl mit ihm feiern.« Gott »klopft« – er bricht die Tür nicht auf, verschafft sich nicht gewaltsam Zutritt. Er überlässt es uns zu entscheiden, was wir mit seinem »Klopfen« machen.

Jesus Christus als Brot für unser Leben – es ist gut zu wissen: Gott lässt mich auch auf Durstecken nicht allein. Er geht mit mir, geht mir nach, wo ich ihn aus den Augen verloren habe und legt mir vor, was mir neue Kraft geben kann.

Ich wünsche Euch, wenn Ihr nachher diese Kirche als Konfirmierte verlasst, dass Ihr auf dem Weg mit diesem Jesus Christus bleibt und ihn als den erlebt, der uns das zum Leben Notwendige immer wieder neu finden lässt.

Und der Friede Gottes, der Höher ist als alle Vernunft, der bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, Amen.