Predigt über Jesaja 9,1–6

Liebe Gemeinde, der Heilige Abend liegt hinter uns und jetzt ist endlich Weihnachten.

Weihnachten … ich weiß nicht, wie es Ihnen damit geht – mir kommt das ziemlich zeitig, nicht nur von der Uhr her, sondern auch von meinem Empfinden: Waren das wirklich schon wieder zwölf Monate, die vorübergeflogen sind? Liegt mit dem Geschenketauschen an Heilig Abend nun der vorletzte Höhepunkt des Jahres hinter uns?

Und was wird das sein, was in sieben Tagen mit dem Jahr 2009 beginnt – einem Jahr, das Regierung und Marktforschungsinstitute schon gleich mit 2010 regelrecht beerdigt haben, was die Wirtschaft angeht?

Die Zeit, sie ist gerannt und das, was vor uns liegt, will niemand haben.

Der Predigttext heute Morgen passt nicht nur zur Tageszeit, sondern auch zu dem, was vor uns liegt – auch wenn es erst einmal ganz gegensätzlich klingt. Ich lese aus dem Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 9:

Jes 9,1–6 Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir wird man sich freuen, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt.Denn du hast ihr drückendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen wie am Tage Midians. Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt. Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er’s stärke und stütze durch, Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des HERRN Zebaoth.

Liebe Gemeinde, wir sind heute Morgen das Volk, das in der Finsternis wandelt. Ich habe es eben schon gesagt – ein großes Licht haben uns die Pressemeldungen nicht über die Zukunft geschildert, eher eine noch tiefere, bedrohliche Finsternis. Die Süddeutsche Zeitung titelte gar am Montag: »Die Angst kauft mit« und berichtete dann, dass das Weihnachtsgeschäft recht gut laufe, jedoch kaum jemand in freudiger Erwartung auf das nächste Jahr schaue.

Nun ist Weihnachten, das in den Medien als Wendepunkt von einer noch guten zu einer gedrückten Stimmung markiert wurde. Und: wie fühlen sie sich?

»Gut, Herr Doktor, nur wenn ich lache …« – nein, das wäre jetzt die verkehrte Antwort. Lachen Sie weiter, lassen Sie sich den Blick auf die Zukunft nicht vermiesen. Vielleicht wird die nächste Zeit nicht leichter werden als die bisherige. Vielleicht wird die ein oder der andere unter uns sogar von den Auswirkungen der vielbeschrienen Wirtschaftkrise betroffen werden. Vielleicht aber auch nicht?

Wir leben in einer Welt, in der zur Zeit Dinge, Institutionen und Werte zusammenbrechen, die viele für tragfähig und stabil hielten und an die viele sich auch gehängt haben. Da wird dann der 90. Geburtstag des Altkanzlers Schmidt genutzt, um auf die guten Jahre vor dem Niedergang in den 80ern zu schielen und zu rufen »Eie, wär‘n wir (wieder) da.« (eg 35,4 Nun singet und seid froh)

Der Predigttext heute Morgen erinnert uns an anderes. Die Worte Jesajas, der sie fast siebenhundert Jahre vor Weihnachten aufgeschrieben hat, wissen wir in Jesus Christus in Erfüllung gegangen.

Das große Licht über denen im finsteren Lande, das ist Jesus Christus. Er selbst sagt von sich: »Ich bin in die Welt gekommen als ein Licht, damit, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.« (Joh 12,46)

Darum geht es an Weihnachten. Dass es neben den volkstümlichen Werten wie Ansehen, Arbeitsplatz, Alters- und Gesundheitsvorsorge, einem guten Heim und Familie eine andere Sicherheit gibt, die nicht begrenzt und nur vorgeblich sicher ist, in Krisen zusammenbricht und in Scherben geht.

Weihnachten heißt doch, dass in Jesus Christus Gottes Sohn für uns, für Dich und mich in diese Welt gekommen ist und uns mit Gott verbunden hat. »Denn uns ist ein Kind geboren«, notierte der Prophet Jesaja schon vorausschauend.

Liebe Gemeinde, in seiner Weihnachtsansprache sagte Horst Köhler, »Anstand, Bescheidenheit, Maß und Glaubwürdigkeit brächten das Vertrauen zurück, das unsere Gesellschaft zusammenhalte.«

Da ist etwas dran. Doch als Christinnen und Christen wissen wir zugleich um mehr als nur um dem jeweils gesellschaftlich etablierten Ethos folgenden Werten. Wir wissen und glauben, dass Jesus Christus unser Halt ist in allem, was da kommt. Aus der Kraft unseres Glaubens, den Gott uns im Heiligen Geist schenkt und bewahrt, haben wir ein tragfähiges Fundament auf dem Weg in die Zukunft.

Das schließt den Weg in eine ungewisse Zukunft mit ein! Wo Banken den Rettungsschirm ziehen um nicht unterzugehen und Dividenden eingefroren werden, da gilt die Verheißung, in die wir in der Taufe mit hinein genommen wurden, fort. Und sie heißt: Ich bin bei Euch alle Tage.

»Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude« heißt es im Predigttext. Weihnachten ist diese Freude für uns in die Welt gekommen und es ist eine Freude, auf die wir bauen können. An der wir uns festmachen können in allem, was da kommt.

Mit Sicherheit wird die Zukunft auch dunkle Täler für uns bereithalten, werden wir ein Volk sein, das im Finstern wandelt. Diese Finsternis kann eine miese Wirtschaftlage eben so sein wie persönliche Krisen, Krankheiten, Unfälle – so eine Liste kann jeder selbst fortsetzen, doch das ist heute Morgen nicht das Thema.

Das Thema ist, dass Gott uns in allen Krisen, Sorgen, Ängsten und Nöten den festen Halt gibt, den jede und jeder unter uns doch braucht, um schwierige Zeiten durchzustehen.

»Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell« schreibt Jesaja und später sahen die Weisen aus dem Morgenland dann das helle Licht des Sterns, der über dem Stall stand.

Wo wir den Blick aus dem Alltagsgeschehen, Planungen und Hektik aufheben und auf Gott schauen, da werden auch wir im Licht seiner Liebe gewärmt werden. Unser Glaube ist es, der uns in allem eine andere, weitere Perspektive geben kann, uns über die Dinge hinaussehen lässt.

Gerade am Zusammenbrechen alles dessen, was viele Menschen für fest und beständig hielten sehen wir, dass auf Erden alles seine Zeit hat und nichts für ewig ist. In Jesus Christus hat Gott uns mit sich verbunden und das kann uns auch im Schweren aushalten lassen, denn wir wissen: auch dies wird vorübergehen und nur eine Episode sein.

Gott, er hat uns im Glauben ein helles Licht auch auf dunkle Wege gestellt. Wo wir auf ihn schauen und in seinem Licht bleiben, da werden wir auf dem Weg zu ihm bleiben und zum Ziel kommen.

Dass dieser Weg nicht unbedingt glatt geteert oder wie so ein Fahrband am Flughafen ist, auf dem man ganz bequem dem Ziel entgegenschwebt, ist klar. Laufen müssen wir selber und wer viel läuft, der fängt sich die ein oder andere Blase ein und knickt auch gelegentlich um. Aber an Jesus Christus zu glauben heißt, auf einem guten Weg zu sein, heißt ein Licht auch in der Dunkelheit zu haben und heißt, zuletzt bewahrt zu sein.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie dieses Licht immer wieder in Ihrem Leben entdecken. Wie Sie es suchen und finden können? Indem Sie die Hände falten und mit Gott reden – er hört. Indem Sie in der Bibel lesen, was andere mit Gott erlebt haben und zuletzt, indem Sie sich in die Gemeinschaft Ihrer Kirchengemeinde begeben zu Menschen, die vielleicht manchmal auf anderen Wegen wandern, aber dasselbe Ziel haben.

Weihnachten ist Christus in die Welt gekommen, um uns frei zu machen. In tiefster Nacht ist er als Licht für unser Leben erschienen, das uns Hoffnung, Halt und Orientierung gibt. Lassen Sie uns dieses Licht in unserem Leben bewahren, damit alle Finsternis zuletzt doch weichen muss.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Lied: eg 56,1.3.5 Weil Gott in tiefster Nacht erschienen