Predigt über Jesaja 52,7–10

Liebe Gemeinde, der heutige Sonntag ist ein seltsamer Tag. Morgen ist schon Heilig Abend, und die Weihnachtstage liegen ohne weiteren Verzug vor uns. Es ist noch Advent, heute ist es das noch, auch wenn unsere Herzen und Gedanken schon einen Tag voraus sind, wenn eigentlich schon Weihnachten für uns ist.

Der Predigttext aus dem 52. Kapitel von Jesajas Prophetenbuch passt zu dem so kurz bevorstehenden Weihnachtsfest und wirft auf den Advent nochmals ein etwas anderes Licht. Ich lese den Predigttext:

Jes 52,7–10 Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten, die da Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen, die da sagen zu Zion: Dein Gott ist König! Deine Wächter rufen mit lauter Stimme und rühmen miteinander; denn alle Augen werden es sehen, wenn der HERR nach Zion zurückkehrt. Seid fröhlich und rühmt miteinander, ihr Trümmer Jerusalems; denn der HERR hat sein Volk getröstet und Jerusalem erlöst. Der HERR hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.

Ja, die Freudenboten … zu dieser Zeit waren sie unterwegs, die bevorstehende Ankunft des Herrn in der Welt anzukündigen, wie die Herolde auszurufen. Es ist ein zutiefst politisches Bild, dass da gezeichnet wird; es erinnert an den Anfang des ersten Königsbuchs, als David Salomo zum König machte, während Adonija versuchte, sich selbst zum König zu machen. Auch da wurden Boten ausgesandt, die vor Salomo her das Widderhorn bliesen und den Menschen Jerusalems berichteten, das er der neue König sei.

Freudenboten waren damals zu Jerusalem gelaufen, Freudenboten sind auf dem Weg zu Jerusalem in der Vision des Jesaja unterwegs. Und mit der Aufnahme der Inthronisation Salomos, des mächtigsten Königs seiner Zeit und Erbauer des Tempels zeigt Jesaja: es ist kein gewöhnlicher Mensch der da kommen wird, es ist der endgültige, der endzeitliche Herrscher. Und diese Herrschaft wird anders sein als die Sauls oder Davids oder Salomos, der zu seiner Zeit der militärisch mächtigste König im Nahen Osten war. Nein, dieser Herrscher ist ein Friedensherrscher, deshalb sind es Friedensboten, die von ihm künden. Jesaja schreibt ja auch:

»Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten, *die da Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen, die da sagen zu Zion: Dein Gott ist König!*« (V. 7) Frieden, Gutes und Heil verkünden die Boten, weil eben kein Mensch König ist, sondern der in Christus Mensch gewordene Gott. Erinnern Jesajas Worte nicht auch an die des Verkündigungsengels in der Weihnachtsgeschichte, die wir Morgen hören werden? Da heißt es ja: »Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.« (Lk 2,10b–14)

Aber wie gesagt: noch ist es ja eben nicht so weit, heute ist noch Advent, auch wenn die gute Zeit schon ganz nahe ist – lassen Sie uns davon ein Lied singen:

eg 18 Seht die gute Zeit ist nah

1. Seht, die gute Zeit ist nah, Gott kommt auf die Erde, kommt und ist für alle da, kommt, dass Friede werde, kommt, dass Friede werde.

2. Hirt und König, Groß und Klein, Kranke und Gesunde, Arme, Reiche lädt er ein, freut euch auf die Stunde, freut euch auf die Stunde.

Gott kommt auf die Erde, oder, wie die Friedensboten des Jesaja zu Jerusalem sagen: »Dein Gott ist König!« (V. 7) Advent heißt: die gute Zeit ist nahe, die Zeit der Gewissheit: Gott ist damals gekommen, um Frieden zu stiften. Und so passt es, dass der Predigttext mit den Worten fortfährt: »Deine Wächter rufen mit lauter Stimme und rühmen miteinander; denn alle Augen werden es sehen, wenn der HERR nach Zion zurückkehrt.«

»… wenn der Herr nach Zion zurückkehrt« – Jesus Christus ist nach Zion, nach Jerusalem zurückgekehrt. Nicht nur als Erwachsener auf einem Esel, was wir an Palmsonntag feiern, sondern als neugeborenes Kind ist er gekommen. Das Zion, in das er gekommen ist, ist diese Welt. »Alle Augen werden es sehen…« – das ist geschehen. Zuerst waren es die Hirten auf den Feldern, denen die Engel als Freudenboten erschienen, die dann das Kind im Stall besuchten und selbst danach in die Stadt liefen, um davon weiter zu erzählen – sie selbst sind Freudenboten geworden. Und die Weisen aus dem Morgenlande, auch sie haben weitererzählt von dem neu geborenen König, den sie gefunden hatten.

Das wir heute hier sind, ist auch ein Zeichen dieser Freudenbotschaft von Weihnachten. Nach zwei Jahrtausenden gibt es immer noch Menschen, die diese Botschaft im Herzen bewegen so wie damals Maria, als ihr der Engel die Botschaft brachte, dass sie ein ganz besonderes Kind erwartete.

Alle Welt hat in der folgenden Zeit gezeigt bekommen, was es bedeutet hat, dass der Herr in sein Zion zurückgekehrt ist. Lassen Sie uns davon singen, mit der zweiten Strophe von Lied eg 147!

eg 147,2 Wachet auf, ruft uns die Stimme

  1. Zion hört die Wächter singen,
    das Herz tut ihr vor Freude springen,
    sie wachet und steht eilend auf.
    Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig,
    von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig,
    ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf.
    Nun komm, du werte Kron,
    Herr Jesu, Gottes Sohn!
    Hosianna!
    Wir folgen all zum Freudensaal
    und halten mit das Abendmahl.

Ein Freudensaal war er freilich nicht, der Stall bei Bethlehem. Sein einziger Luxus war der Stern, der ihn in dieser Nacht festlich beleuchtete, waren die exklusiven Gäste aus fernen Landen und ihre reichen Geschenke.

Geschenke, das ist auch bei unserem Weihnachtsfest ein wichtiges Stichwort, sicher haben Sie schon alle beisammen. Das größte Geschenk an Weihnachten macht uns Gott selbst, indem er in unser Leben eintritt und dort, wo wir ihn lassen, Wohnung bei uns nimmt.

Darum geht es ja im Advent, sich auf die Ankunft Gottes vorzubereiten, ihm das Herz bereit zu machen. Da ist sein Freudensaal, wo wir ihn auch ankommen lassen. Da wird es hell in unserem Leben, da werden auch wir zu Freudenboten.

Prüfen wir uns heute, am zu Ende gehenden Advent selbst: sind wir das? Sind wir Freudenboten? Sind wir bereit, Gott in unserem Leben einziehen zu lassen?

Gerade »die Adventszeit ist für viele Menschen doch eine besonders empfindliche Zeit, in der Gott bei all der Hektik ganz besonders fern scheint. Ob das daran liegt, dass in dem hellen Licht von Weihnachten her unsere Schatten schärfer hervortreten? Die Nerven liegen dünner unter der Haut als sonst im Jahr. Wer zum Beispiel bereits von einem geliebten Menschen Abschied nehmen musste, spürt die Einsamkeit in diesen Wochen intensiver. Menschen, die zu Depressionen neigen, haben in dieser Zeit mehr Mühe als sonst, gegen die […] Finsternis anzukämpfen. Die Zahl derer, denen ihr Leben zu schwer wird und die es deshalb in ihrer Verzweiflung beenden wollen, ist vor Weihnachten besonders hoch.« (Christiane Vogel)

Wie ist es also um den Advent als Freudenzeit bestellt? Vielleicht gar nicht so gut, wie wir meinen. Dennoch: Auch wenn der Advent die dunklen Gefühle hochbringen kann, so bleibt doch die andere Seite: dass bei allem, was schlimm für uns ist, Gott uns nicht von der Seite weicht. Uns Kraft gibt, auszuhalten. Und er kommt. Damals in Bethlehem ist er in die Welt gekommen, will an jedem Tag neu in unser Leben kommen. Weihnachten ist wie ein Leuchtturm dieses nicht nur mitgehenden, sondern auf uns zukommenden Gottes: ein Fanal seines Kommens.

So müssen auch damals die Menschen die Worte Jesajas, unseren Predigttext, gehört haben. Sie waren in der Babylonischen Gefangenschaft, fern der Heimat, als Gott den Jesaja als Sprachrohr gebrauchte. In einer schlimmen Zeit, als die Hoffnungen der Menschen darniederlagen und sie alles andere als Freudenboten waren, geschweige denn Freude im Leben hatte, ist dieses Wort Gottes an sie gekommen.

Jesaja sagte ihnen: »Seid fröhlich und rühmt miteinander, ihr Trümmer Jerusalems; denn der HERR hat sein Volk getröstet und Jerusalem erlöst. Der HERR hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.« (V. 9f)

Lassen Sie uns das Lied unter der Nummer eg 13 singen.

eg 13 Tochter Zion

  1. Tochter Zion, freue dich,
    jauchze laut, Jerusalem!
    Sieh, dein König kommt zu dir,
    ja er kommt, der Friedefürst.
    Tochter Zion, freue dich,
    jauchze laut, Jerusalem!

  2. Hosianna, Davids Sohn,
    sei gesegnet deinem Volk!
    Gründe nun dein ewig Reich,
    Hosianna in der Höh!
    Hosianna, Davids Sohn,
    sei gesegnet deinem Volk!

  3. Hosianna, Davids Sohn,
    sei gegrüßet, König mild!
    Ewig steht dein Friedensthron,
    du, des ewgen Vaters Kind.
    Hosianna, Davids Sohn,
    sei gegrüßet, König mild!

Mitten in die Gefangenschaft hat Gott die Israeliten aufgefordert, den Mut zu behalten und die Hoffnung nicht fahren zu lassen. Ja, die Stadt zuhause lag in Trümmern. Aber Gott würde ihnen Rettung verschaffen, würde ihnen Trost spenden.

Wir kennen das auch, dass es Ereignisse und Situationen in unserem Leben gibt, die uns das Herz schwer machen. Doch Weihnachten ist diese Verheißung Jesajas auch erfüllt worden. Er sagte: »Der HERR hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.« Weihnachten kann deshalb der Ort sein, wo wir uns bewusst an Gott hängen und ihm alles Schwere vor die Füße werfen, unsere Lasten an ihn abgeben und neu durchatmen.

Gott hat sich auf den Weg gemacht zu uns, zu mir und Dir. Weihnachten ist er in der Welt angekommen. Machen auch wir uns bereit, ihn ankommen zu lassen. Gott kommt in die Welt, in unser Leben. Und auch da, wo es in uns wüst, leer und dürres Land ist, da will er in uns reiche Frucht hervorbringen. Jesaja sagte: »Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten, die da Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen, die da sagen zu Zion: Dein Gott ist König!« Lassen Sie uns die Ohren spitzen, ob wir sie nicht hören, die Freudenboten, die uns das sagen: Dein Gott ist König!

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Lied: eg 7,1–5 O Heiland, reiß die Himmel auf

  1. O Heiland, reiß die Himmel auf,
    herab, herab vom Himmel lauf,
    reiß ab vom Himmel Tor und Tür,
    reiß ab, wo Schloss und Riegel für.

  2. O Gott, ein’ Tau vom Himmel gieß,
    im Tau herab, o Heiland, fließ.
    Ihr Wolken, brecht und regnet aus
    den König über Jakobs Haus.

  3. O Erd, schlag aus, schlag aus, o Erd,
    dass Berg und Tal grün alles werd.
    O Erd, herfür dies Blümlein bring,
    o Heiland, aus der Erden spring.

  4. Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt,
    darauf sie all ihr Hoffnung stellt?
    O komm, ach komm vom höchsten Saal,
    komm, tröst uns hier im Jammertal.

  5. O klare Sonn, du schöner Stern,
    dich wollten wir anschauen gern;
    o Sonn, geh auf, ohn deinen Schein
    in Finsternis wir alle sein.