Frieden schaffen, nicht Krieg

Veröffentlicht 27.02.2022, Stand 01.10.2022, 832 Wörter.

Was kommt nach Corona? Die russische Antwort kennen wir jetzt. Sie ist so ernst, wie seit über siebzig Jahren nicht mehr. Der Frieden, den wir in unserem Bereich für selbstverständlich halten, bekommt Risse. Wie kann es weitergehen?

Es ist eine aufregende Zeit. Pessimisten würden sagen: Es wird alles immer nur schlimmer. Optimisten meinen, dass am Ende des Tunnels immer Licht scheint. Was sind Sie; was ist Ihre Antwort zwischen diesen Extremen?

Ich möchte eine versuchen. Ich denke, Friede ist möglich. Mehr noch: Wir können an ihm mitwirken, gerade jetzt, in dieser Situation.

Friede ist möglich

Jewgeni Wutschetitsch: Schwerter zu Flugscharen, 1959. Foto: Neptuul.

Das Foto zeigt eine Plastik, die die Sowjetunion – also Putins Russland – im Kalten Krieg den Vereinten Nationen geschenkt hat. 1959 war das. Sie steht in New York vor der UNO und so brutal sie auch aussieht, stellt sie doch eines dar: dass das Unfriedliche in Friedliches verwandelt wird, das Todbringende in Lebensermöglichendes.

Der Künstler Jewgeni Wutschetitsch, der in der Ukraine geboren wurde, hat damit das biblische Hoffnungsbild Gestalt annehmen lassen, das die Propheten Israel angesagt haben. Bei Jesaja heißt es:

Vom Zionsberg in Jerusalem wird der HERR sein Wort ausgehen lassen. Er weist die Völker zurecht und schlichtet ihren Streit. Dann schmieden sie aus ihren Schwertern Pflugscharen und aus ihren Speerspitzen Winzermesser. Kein Volk wird mehr das andere angreifen und niemand lernt mehr das Kriegshandwerk. Auf, lasst uns in dem Licht leben, das vom HERRN ausgeht!
— Jesaja 2,1–5 (Gute Nachricht Bibel, gekürzt)

Wie schön wäre es, wenn in unserer Welt wahrer Friede herrschte! Doch da sind wir noch nicht, am Rande Europas wurde ein Krieg inszeniert, der für kommende Konflikte zeigen soll, wo der Hammer hängt. Friede ist eben keine Selbstverständlichkeit, sondern immer nur in bestimmten Bereichen auf Zeit verwirklicht – und es ist Arbeit, dies zu erhalten: Friede muss aktiv bewahrt werden.

Friede beginnt bei mir

Als Menschen, die zu Christus gehören, können wir schon jetzt Frieden in unserem persönlichen Einflussbereich säen. Das heißt nicht, Konflikten aus dem Weg zu gehen oder sie nicht auszutragen; das wäre ein »fauler Friede«. Friede beginnt, wo wir fairen Ausgleich suchen und nicht in erster Linie unsere Interessen durchboxen.

Als Christ brauche ich mich auf dem Weg zu Frieden nicht allein zu wissen. Gott setzt am Ende der Zeiten wahren Frieden durch, doch in seinem Geist hilft er uns schon heute, damit anzufangen. Wir sind viele, die aus demselben Glauben leben. Miteinander können wir Frieden greifbar machen, immer mehr.

Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn. Denn des Menschen Zorn tut nicht, was vor Gott recht ist. Darum legt ab alle Unsauberkeit und alle Bosheit und nehmt das Wort an mit Sanftmut, das in euch gepflanzt ist und Kraft hat, eure Seelen selig zu machen. Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein.
— Jakobus 1,19–22 (Lutherbibel 2017)

Gott schenke uns, dass wir alle schnell zum Hören, langsam zum Reden und langsam zum Zorn sind. Das kann der erste Schritt zu mehr Frieden sein. Wo das gelingt, werden wir erleben: Friede ist möglich, immer mehr, Stück für Stück.

Wie fangen wir an, wie können wir Schritte zum Frieden gehen? Indem wir für die beten, denen wir nicht wohlgesinnt sind. Indem wir für das beten, was sonst Streit schürt, dass es friedlich gehandhabt wird. Indem wir für uns beten, Vergebung zu lernen.

Wenn wir so beten, verändern wir zuerst uns, unsere Wahrnehmung und Haltung. Manchmal braucht es gar nicht viel, um eine Sache zu verbessern: Ein neuer Zugang kann helfen.

Indem wir so beten, beten wir letztlich dafür, dass wir zu Friedensstiftern werden – vielleicht unscheinbar, aber doch wirksam. Das ermöglicht Zukunft. Lassen Sie uns Friedensstifter sein!

Um zu ernten, muss man zuerst aussähen

Der Angriffskrieg auf die Ukraine bringt erneut alte Sicherheiten ins Wanken. Dass Gesundheit keine Selbstverständlichkeit ist, zeigte die Pandemie. Der Krieg jetzt wird in den kommenden Jahren viele Fragen aufwerfen und sicher wird die Bundeswehr besser ausgestattet werden müssen: »Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt«, dichtete Schiller.

Für uns Christenmenschen kann dies aber nur der eine Teil der Wahrheit sein. Das Notwendige werden wir tun müssen, aber das andere sollten wir nicht sein lassen: Im Vertrauen auf Gott immer wieder Hände zu reichen, Brücken zu bauen und Frieden zu sähen. Das ist mehr, als Frieden dadurch zu suchen, dass man sich für den Krieg rüstet. Es ist mehr, als Abschreckung zu betreiben. Es meint, die Saat des Friedens auszubringen.

Lassen Sie uns Frieden einüben, jeden Tag ein wenig mehr, damit Krieg keine Chance hat. Aufbauen ist schwieriger als zu zerstören, doch unser Glaube kann uns dazu Hilfe sein. Mit Gottes Geist können wir Schritt für Schritt Frieden sähen, damit unsere Kinder Frieden und Zukunft ernten. Anfangen können wir vor unserer Haustür und sogar zu Hause.


Bildquellen: Artikeldeckblatt Taube: Foto von Artem Podrez von Pexels. Bild Schmied: Jewgeni Wutschetitsch: »Schwerter zu Pflugscharen«, Geschenk der Sowjetunion an die UNO, 1959. Foto: Neptuul, CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Schwerter_zu_Pflugscharen_-Jewgeni_Wutschetitsch-Geschenk_der_Sowjetunion_an_die_UNO-_1959.jpg.

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